Kann eine richtig schlechte Schachpartie trotzdem interessant sein?

Am Ende – nach etwa 4 Stunden – reichten sich die Spieler die Hände und waren sich einig, eine spannende Partie auf das Brett gebracht zu haben. Auch erwähnte jeder seinen fehlerhaften Zug gegen Ende der Partie. Man ging also harmonisch auseinander, auch wenn die Laune des Siegers (Weiß) natürlich die bessere war.

Aber der Reihe nach:

 

Vergangenen Freitag spielte unsere 1. Mannschaft in der Stadtliga gegen den Hamburger Schachklub und der Autor dieser Zeilen mit den schwarzen Steinen an Brett 6.
Da Weiß die kleinere DWZ hatte, wollte Schwarz kein Risiko eingehen und verlegte sich von Anfang an auf die Defensive und aufs Abwarten. Allerdings gewann Weiß dadurch Raumvorteil und hatte lange Zeit die bessere Stellung. Dabei wurde es hinreichend kompliziert, sodass beide Spieler mehrfach nicht die besten Züge fanden. Beide Kontrahenten hielten hartnäckig an ihrer Strategie der Attacke auf den gegnerischen Königsflügel fest und vernachlässigten dabei die Sicherheit des eigenen Königs.

Als schließlich beide Spieler in (leichte) Zeitnot gerieten, machte Weiß im 38. Zug einen (eigentlich entscheidenden) Patzer, den Schwarz im 39. Zug mit einem ebensolchen beantwortete. Damit war die Partie entschieden.

Die Computeranalyse ergab eine recht hohe Zahl von Ungenauigkeiten, Fehlern und Patzern auf beiden Seiten. Für Weiß sprach die insgesamt etwas höhere Genauigkeit, entscheidender aber war, dass der letzte Patzer von Schwarz kam.
Die Analyse zeigte, dass die Spieler von der Komplexität der Partie teilweise überfordert waren. Dabei spielte der Faktor „Zeit“ (Bedenkzeit und Dauer der Partie) sicherlich eine Rolle. Um es mit einer Metapher aus der Astrophysik zu sagen: Die besten Züge lagen teilweise „jenseits des Ereignishorizonts“. Aber bevor jetzt die absolute Schachpartie (die mit nur den besten Zügen) mit einem Schwarzen Loch verglichen wird, soll nur noch gesagt sein:


Ja, auch eine Partie mit etlichen schlechten Zügen kann trotzdem interessant sein.                      (Berend)