Es lässt sich nicht leugnen: Die großen Helden des Schachs, die das Spiel vor allem in den 70er- und 80er-Jahren geprägt haben, scheiden nach und nach aus dem Leben. So verstarb der in Schachecke 40 gewürdigte Vlastimil Hort im Mai 2025. In diesem Text sollen jedoch Robert Hübners Verdienste beleuchtet werden, der bereits im Januar 2025 im Alter von 76 Jahren von uns ging.
Robert Hübner war der beste deutsche Schachspieler der Nachkriegszeit. Er wurde 1948 in Köln geboren, erlernte im Alter von fünf Jahren das Schachspielen und erlangte mit 21 Jahren den
Großmeistertitel. Er war nie Vollzeitprofi, sondern verband seine Schachkarriere stets mit seiner wissenschaftlichen Tätigkeit. Nach seinem Studium der Klassischen Philologie, Grie-chisch, Latein
und Alter Geschichte promovierte er 1976 zum Dr. phil. (Papyrologie).
Hübner soll etwa ein Dutzend Sprachen fließend gesprochen haben. Einen Eindruck von seinem Sprachtalent vermittelt folgende Anekdote: In den 1970er Jahren spielte Hübner eine Partie gegen den
finnischen Spieler Heikki Westerinen. Nach der Partie konnte er sich jedoch nicht mit diesem austauschen, da Westerinen nur Finnisch sprach. Daraufhin beschloss Hübner, Finnisch zu lernen – eine
extrem schwierige Sprache. Bald konnte er die Sprache fließend sprechen und sich bei ihrem nächsten Aufeinandertreffen auf Finnisch mit ihm unterhalten. Er übersetzte sogar mehrere Werke des
finnischen Dichters Olli ins Deutsche.
Obwohl Hübner Zeit seines Lebens als Wissenschaftler, Übersetzer und Autor aktiv war, gehörte er über Jahrzehnte zur Weltspitze im Schach. Seinen höchsten Weltranglistenplatz erreichte er im Juli
1981 mit Rang 3. Er nahm an elf Schachoympiaden für Deutschland teil und viermal an den WM-Kandidatenturnieren. Tragisch endete sein Kandidaten-Halbfinale 1983 gegen den Ex-Weltmeister Wassili
Smyslow, welches nach zehn regulären Partien und vier Tiebreak-Spielen 7:7 stand. Da es damals noch keine Schnellschach- oder Blitzentscheidungen gab, entschied eine Roulette-Kugel über den
Sieger. Die Kugel fiel auf Rot, wodurch Smyslow das Match gewann.
Hübners Erfolge setzten Maßstäbe in der deutschen Schachwelt. Er war bekannt für seine tiefgründigen Analysen und entwickelte eigene Varianten, darunter das nach ihm benannte Hübner-System der
Nim-zoindischen Verteidigung, das bis heute angewendet wird. Auch an Selbstkritik mangelte es ihm nicht, wie der Titel eines seiner Bücher zeigt: „Fünfundfünfzig feiste Fehler“, in dem er seine
eigenen Partien akribisch sezierte und auf ironische Weise analysierte.
Zu den Medien hatte Hübner ein zwiespältiges Verhältnis. Dies lag womöglich auch daran, dass er 1980 im Kandidatenfinale gegen Viktor Kortschnoi vorzeitig aufgegeben hatte und daraufhin in den
Medien vielfach harsch kritisiert wurde. Dies schmälert jedoch nicht seine herausragenden schachlichen Leistungen. Durch seine Vielseitigkeit und seinen intellektuellen Anspruch trug er
maßgeblich dazu bei, Schach als kulturelle Disziplin zu etablieren.
Hier eine hübsche Kombination Hübners aus seiner Partie gegen Lajos Portisch (1978).
Wie erlangte Hübner als Schwarzer am Zug entscheidenden Vorteil?
"Räucherkate", Claus-Ferck-Str. 43, 22359 Hamburg Volksdorf
Unser barrierefreies Spiellokal, die "Räucherkate", ist mit der U-Bahn (U1 bis Volksdorf), Bus und Auto gut zu erreichen.
